Was Emil mir über Führung beigebracht hat – und warum ich dafür die Leine loslassen musste.

Es hat nicht mit einem großen Plan angefangen.
Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Hunde waren immer da – als Kind, als Jugendliche, im Haus meiner Eltern. Ich dachte, ich weiß, wie das geht.

Dann kam Emil. Ein Magyar Vizsla. Ein Jagdhund. Und plötzlich war alles, was ich zu wissen glaubte, ungefähr so hilfreich wie ein Stadtplan für offenes Gelände.

Ich hatte das ungute Gefühl, dass meine Unwissenheit für Emil ein Problem werden könnte – und damit auch für mich. Also fing ich an zu lernen. Kein Berufungserlebnis. Kein Moment der Erleuchtung. Nur die schlichte Erkenntnis: Ich weiß zu wenig, um ihm gerecht zu werden.

Was ich nicht wusste: Dass mich dieses Lernen an einen Punkt bringen würde, der alles verändert, was ich über Führung zu wissen glaubte.

Emil bellt. Ich trainiere. Es wird nicht besser.

Emil war bei Hundebegegnungen unentspannt. Das ist freundlich ausgedrückt. Er bellte, sprang in die Leine, machte sich größer als nötig. Ich tat, was man tut: Leine kurz. Mehr Übung. Mehr Konsequenz.

Das Verhalten wurde nicht besser. Es wurde nichtmal wirklich anders. Auf jeden Fall nicht besser.

Irgendwann habe ich aufgehört zu korrigieren. Nicht aus Erschöpfung – sondern weil meine Ausbildung mir etwas beigebracht hatte, das ich in diesem Moment zum ersten Mal wirklich angewendet habe: den Hund zu beobachten. Schauen, was er als Lösung anbietet. Und ihm darin folgen.

Ich ließ die Leine locker. Ich ließ Emil entscheiden.
Er ging nicht auf den anderen Hund zu. Er wich aus. Trat zur Seite. Schaute weg.

Das war keine Schwäche. Das war seine Lösung. Und er hatte sie die ganze Zeit – ich hatte sie nur nie zugelassen.

Was ich in diesem Moment verstanden habe

Emil hat mir nicht gezeigt, wie man Hunde trainiert. Er hat mir gezeigt, wie Verhalten entsteht.

Nicht aus Charakter. Nicht aus Sturheit. Sondern aus den Bedingungen, die wir setzen – oder eben nicht setzen.

Solange ich die Begegnung kontrolliert habe, hatte Emil keine Wahl. Er konnte nur eskalieren, weil das für ihn die passende Lösungen war. Ich eskaliere – der Gegner geht. Und manchmal eskaliert Frauchen mit (wenn ich mich auch aufgeregt habe).

Verhalten folgt Bedingungen. Immer. Das gilt für Hunde. Das gilt für Menschen in Systemen.

Das kenne ich. Aus Organisationen. Aus Führungssituationen. Aus Meetings, in denen jemand nicht gehört wird – und irgendwann aufhört zu sprechen. Oder lauter wird. Oder geht.

Warum ich beides mache – und warum es kein Widerspruch ist

Ich bin ausgebildete Hundetrainerin und Hundeverhaltensberaterin. Ich bin systemische Coach mit Hintergrund in Organisationsentwicklung. Ich war Director in einem Konzern. Ich halte einen Vizsla, der Mantrailer ist und klare Meinungen hat.

Das klingt nach vielem. Es ist im Kern dasselbe.

Was ich in Organisationen beobachte: Menschen, die nicht funktionieren, wie man es erwartet. Teams, die nicht liefern, obwohl die Einzelnen kompetent sind. Führungskräfte, die mehr Druck machen – und weniger bekommen.

Was ich mit Emil beobachte: Genau das.

Der Unterschied ist nur: Ein Hund gibt dir sofort Feedback. Kein Takt, kein Sozialfilter, keine Rücksicht auf die Hierarchie. Wenn die Bedingungen nicht stimmen, zeigt er es dir – direkt, unmissverständlich und ohne schlechtes Gewissen.

Das ist unbequem. Und außerordentlich nützlich.

Wozu ich heute einlade

Ich arbeite mit Hundehalterinnen und Hundehaltern, die feststecken. Nicht weil sie falsch trainiert haben. Sondern weil das eigentliche Problem woanders liegt – in der Beziehung, im Kontext, im System dahinter.

Und manchmal auch ein bisschen in uns selbst.

Wenn du das Gefühl hast, dass mehr Training nicht mehr weiterhilft – dann lass uns reden. Das Erstgespräch ist kostenlos.

→ hundeschule.susanne-schreeck.de/kontakt

Im Fokus

Emil hat mir das nicht erklärt. Er hat es mir gezeigt – in dem Moment, als ich aufgehört habe, die Situation zu kontrollieren, und angefangen habe, ihm Raum zu lassen. Er ist nicht zu dem anderen Hund gegangen. Er ist ausgewichen. Ruhig, klar, selbstständig.

Die Lösung war die ganze Zeit da. Ich hatte sie nur verhindert.

Das ist der Kern meiner Arbeit – mit Hunden und mit Organisationen: nicht mehr Druck, sondern bessere Bedingungen. Nicht Kontrolle, sondern Kontext.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen einer klassischen Hundeschule und dem, was du anbietest?
Klassische Hundeschulen arbeiten am Verhalten – mit Übungen, Konsequenz, Methode. Das hat seinen Platz. Ich schaue eine Ebene tiefer: auf das System, in dem das Verhalten entsteht. Auf die Beziehung, den Kontext, die Rahmenbedingungen. Das kommt aus meiner Arbeit in Organisationen – und es verändert, was man sieht, wenn man auf einen Hund schaut.

Kann man Hundetraining und systemisches Coaching wirklich verbinden – oder ist das nur eine Metapher?
Es ist keine Metapher. Beide Felder arbeiten mit demselben Grundprinzip: Verhalten entsteht nicht im Individuum allein, sondern im System, in dem es sich bewegt. Wer nur das Verhalten korrigiert, ohne die Bedingungen zu verändern, arbeitet gegen das System – und wundert sich, warum nichts hält.

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